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Jean-Jacques Pérennès: Georges Anawati (1905-1994)
Ein ägyptischer Christ und das Geheimnis des Islam
Herder 2010 - 413 Seiten
ISBN 978-3-451-30379-1
19,95 € (Bestellungen über den Buchhandel)
Georges Chehata Anawati: ein Pilger zwischen der arabisch-muslimischen und der europä-isch-christlichen Welt.
Georges Anawati o.p. starb am 28. Januar 1994 in Kairo, am Festtag seines verehrten Mit-bruders und Lehrers Thomas von Aquin (1225-1274). Man erinnert sich seiner unerschütter-lichen Heiterkeit, seiner Kunst, mit einem Scherz der Konfrontation auszuweichen oder seine Skepsis zu verbergen.
Georges Anawati wurde am 6.6.1905 als sechstes von acht Kindern in Alexandria geboren. Seine Familie floh 1860 von Homs/Syrien in die „Stadt der Fremden“ und die Stadt der Ideen, die in der Antike das Weltwunder der Bibliothek beherbergte. Alexandria war kosmopolitisch und nach Europa hin orientiert. Anawati studierte in Beirut Pharmazie und Geschichte. Er konvertierte von der griechisch-orthodoxen Kirche zum lateinischen Katholizismus. Er trat 1934 in den Orden der Dominikaner ein und studierte in Belgien und Frankreich Philosophie und Theologie. Mit Aristoteles und Thomas von Aquin hat er sich schon in Beirut beschäftigt und sie blieben im Zentrum seiner wissenschaftlichen Arbeit. Ab 1943 studierte er in Algier Arabisch und Islamwissenschaft. Dort lernte er Louis Gardet kennen und sie veröffentlichten gemeinsam die „Introduction à la théologie musulmane“. Er promovierte 1948 an der Uni-versität in Montreal über den Schöpfungsbegriff bei Thomas von Aquin und bei Avicenna.
Im August 1944 kam er nach Kairo zurück. Die Dominikaner unterhielten dort seit 1928 eine Dependance der „Ecole Biblique“ von Jerusalem. Die Niederlassung wurde 1953 selbststän-dig und sie wurde umgewandelt in das „Institut Dominicain des Etudes Orientales“ (IDEO). Anawati wurde der erste Bibliothekar und baute die Bibliothek zu einer der besten islam-kundlichen Arbeitsinstrumente in Kairo aus. Die Arbeit brachte ihn in Verbindung mit den Professoren der Al-Azhar-Universität und der Akademie der Arabischen Sprache. Die Arabi-sche Liga suchte seine Mitarbeit für die Arbeitsbereiche Philosophie und islamisch-arabische Kultur. Ferner bekam er Lehraufträge an den Universitäten in Montreal, Leuven, Rom und an der Universität von Californien in Los Angeles. Über 20 Jahre lang gab er Vorlesungen an der Fakultät für Pharmazie in Alexandria. Am Festtag des Hl. Thomas 1954 kam die erste Num-mer der neuen Zeitschrift MIDEO (Mélanges des IDEO), heraus. Sie erscheint jährlich und veröffentlicht Studien sowie Literaturübersichten. Anawati veröffentlichte im Laufe seines Lebens 26 Bücher und über 350 Artikel. In seinem Nachlass befindet sich unter anderem ein Manuskript von ca. 800 Seiten über „Al-Tawhîd . Gott ist einer“.
Seine Erfahrungen kamen vor allen Dingen dem christlich-islamischen Dialog zugute. Der zweite Schwerpunkt seiner Arbeit als Wissenschaftler und Priester. Er gehörte zu den Pionie-ren des Dialogs in der katholischen Kirche. Er öffnete die Türen für die Begegnung mit den Muslimen, weil er überzeugt war, dass Christen und Muslime nur gemeinsam die Zukunft gestalten können. 1965 gründete Papst Paul VI das Sekretariat für Nichtchristen und Anawati gehörte zu den ersten Beratern. In diesem Sekretariat wurde auch die Erklärung der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen (Nostra Aetate) des II. Vatikanischen Konzils entworfen. Er war ebenfalls 12 Jahre Berater im Päpstlichen Rat für Kultur. Seine Artikel, seine Interven-tionen auf Kongressen und Tagungen und sein persönliches Zeugnis haben geholfen, dass die Lehre von Nostra Aetate in die christliche Theologie und die Arbeit der Kirche eingeflossen sind. |
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